Sonntag, 12. April 2015

[geQuakt] ► Neulich am Teichran­d... #19



... oder danke, ich brauche kein Henkelkörbchen.



Alternativ auch "Warum (Buch-)Händler die besseren Bluthunde sind" oder "Wenn ich groß bin, dann werde ich Gabelstapler".  Dazu muss man sagen, das Amphib ist ein Gewohnheitsfrosch. Wenn ich mich nicht gerade bei Flohmärkten dumm und quappig kaufe oder Arvelle plündere, dann bin ich dem Buchhändler meines Vertrauens treu. Man kennt und fürchtet mich dort, begrüßt mich mit Namen und bekommt auch schon lange keine Angst mehr, wenn ich mir mal wieder Bücher aus Regalen greife, die meine Körpergröße locker verdoppeln. Ohne Leiter versteht sich. Denn andere schützen ihr Leben gegebenenfalls auch mit Büchern, ich verteidige Bücher mit meinem Leben. Kein Wunder also, dass es mich in den großen Anonymen immer wieder kalt erwischt.

"Entschuldigung, möchten Sie vielleicht ein Körbchen?"
Das ist ja aufmerksam! Ich habe zwar nur vier Bücher in der Hand und schiebe zwei prall gefüllte Einkaufstüten mit den Füßen von Regal zu Regal - also nichts, was sich nicht mit je zwei Armen und Froschschenkeln organisieren liese - aber nett, dass die Dame frägt!
"Nein danke, das geht so."

Falsche Antwort.
"Wirklich, das macht mir keine Umstände. Ich bringe Ihnen ein Henkelkörbchen. Dafür bin ich schließlich da."
Hm. Fragwürdige Selbsteinschätzung. Andererseits auch nicht verwunderlich in einer Jugendbuch-Abteilung, in der man Belitz buchstabieren muss. Inzwischen sind es auch mehr als vier Bücher, die von Weitem zugegeben entfernt an den schiefen Turm von Pisa erinnern mögen. Aber da haben wir schon in ganz anderen Größenordnungen balanciert und irgendwann muss sich das jahrelange Training ja auszahlen, oder?
"Nein, wirklich, kein Problem."
Man lernt ja schon aus Prinzip nicht dazu, oder?
"..." (Anm. der Teich-Redaktion: Verdunkelte Augen, zusammengekniffene Brauen, pochende Halsschlagader)
Glückwunsch, Frau Frosch, Sie haben den Rage-Modus der Verkäuferin aktiviert! Nichts wie weg hier! (...) Dort, die Krimi-Abteilung- duck dich! (...) Ja, gerettet!

"Mit Henkelkörbchen hätten Sie es doch viel leichter!"
Himmel und Teichhölle, kann diese Frau die Zeit und Raum außer Kraft setzen? Habe ich das Duschen vergessen? Und wie mache ich ihr klar, dass ich eher meine eigene Großmutter fallen lassen würde, als ein Buch? Und dass sie sich mal besser um die Joanne Harris Bücher mit Wasserschaden in ihrem Regal kümmern soll, anstatt wehrlose Kunden zu jagen? Ich meine, nichts gegen Körbchen! Ich liebe Körbchen. Wer mich einmal beim ME-Ausverkauf - eins links, eins rechts und am dritten zwischen den Zähnen arbeite ich noch - gesehen hat, der weiß das! Es ist ja auch wirklich nett, dass die Dame so besorgt um mich mein Wohlbefinden ist, aber...
"NEIN danke, ich brauche KEIN Henkelkörbchen! Ich bin auf dem Weg zur Kasse!"

Simsalabim!
"Sagen Sie das doch gleich!"
Sprach es und verschwand... Bitte was? Hört noch jemand außer mir die Seifenblase platzen? Sorge um ihre Kunden- pah! Wen interessiert der Mensch, wenn es um die Ware geht? Zugegeben, die wenigsten. Aber das kann man auch gekonnter kaschieren. 

Und die Moral der Geschichte?
Lieber Herr X,
Die kleinen Fillial-Sünden bestraft der liebe Büchergott zuerst und das nächste Mal kaufe ich wieder bei Ihnen, versprochen!
Ihr bestimmt-nie-wieder-abtrünniger-Frosch


Kommentare:

  1. :) Deine Art zu schreiben liebe ich einfach

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    1. Da schließe ich mich gleich mal an :D! WUNDERVOLL ;) ♥

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  2. Du solltest Komödiantin werden :) Konnte mich in der Geschichte gut wiederfinden.

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  3. Herrlich - "...am dritten zwischen den Zähnen arbeite ich noch..." *rofl*

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  4. Ein wunderbarer, wahnsinnig amüsanter Bericht. Kurzweilig und angenehm kommentiert :)

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