Mittwoch, 13. August 2014

[BuchBlubb] ► Sapphique (Catherine Fisher)



Frei. 
Gejagt.
Gefangen?
♠EN: Sapphique
♠Verlag: Penhaligon (2014)
♠Seiten: 480
♠Genre: Dystopie
♠Reihe: Finn&Claudia #2

Finn ist die Flucht aus Incarceron gelungen, aber seine Freiheit wurde teuer erkauft. Keiro ist noch gefangen, das Portal zerstört und Finn zweifelt zunehmend daran, wirklich der verloren geglaubte Prinz Giles zu sein. Doch davon will Claudia nichts hören. Sie weiß, dass solche Schwächen im Schlangennest bei Hofe tödlich sind. Es heißt jeder gegen jeden zwischen den beiden, der Königin und den Schattenwölfen...
Unterdessen stoßen Attia und Keiro im Gefängnis auf den verrückten Magier Rix, der offenbar in den Besitz der einzigen verbliebenen Fluchtmöglichkeit gekommen ist: Sapphiques Handschuh. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, denn Sapphique selbst hat schon vor langer Zeit in Incarceron die Sehnsucht nach außerhalb geweckt und jetzt sieht das Gefängnis seine Zeit gekommen- um jeden Preis und sei es das Ende einer ganzen Welt...



1st: >> Die Gasse war so eng, dass Attia sich gegen eine Mauer lehnen und einen Fuß an der gegenüberliegenden Maur abstützen konnte. <<





Angeschwemmt... wurde das Sequel zu "Incarceron" über BloggDeinBuch, aber keine Sorge, ich erzähle euch die Geschichte nicht noch einmal. An dieser Stelle geht stattdessen ein ganz recht herzliches Dankeschön für das Rezensionsexemplar an BdB und den Verlag Penhaligon! Letzterer hat sich mit der Gestaltung der Bücher wirklich selbst übertroffen und vor allem die Schutzumschläge mit den leicht abgehobenen Schlüsseln im Metallic-Look sind die reinste Augenweide.

Abgetaucht... bin ich dieses Mal, ohne mich von Erwartungs-Schlingpflanzen ausbremsen zu lassen. Nach dem eher ernüchternden Vorgänger war von meiner anfänglichen Euphorie nur noch vorsichtiger Optimismus übrig und mit niedrigeren Ansprüchen hat sich das Buch gleich viel besser lesen lassen. Ich wusste, dass ich auf bildgewaltige Beschreibungen oder detailreiche und logische Erklärungen der Autorin
gar nicht erst zu warten brauchte, und habe mir deshalb gleich von Anfang an "mein" Incarceron im Kopf zusammengebastelt. Als Leser kennt man inzwischen Begriffe wie Lichtan, Metallkäfer oder Protokoll und es war für mich viel leichter, Dialoge und Gedanken ohne "Häh?!" einzuordnen. Außerdem hat die Autorin für die Erzählerrolle im Inneren jetzt mit Attia die optimale Besetzung gefunden. Sie ist aufmerksam, gewitzt und glaubwürdig und aus ihrer Sicht hat es richtig Spaß gemacht, tiefer in Incarceron einzudringen. Die Ideen für weitere Gefängnisflügel sind wirklich toll und ich hätte gerne mehr Zeit gehabt, um alles erkunden zu können. Aber Worldbuilding und Action zu trennen, das fällt Frau Fisher immer noch schwer und ich war stellenweise etwas überfordert damit, neue Informationen zu verarbeiten und gleichzeitig der rasanten Handlung zu folgen. Langweilig wird es vor allem in Incarceron auf alle Fälle nicht.

Badegäste... setzen sich zusammen aus den alten Bekannten sowie zwei - yeah! - interessanten Neuzugängen und gedankt sei es den Teichgöttern, dass Fluffy-Finn keine Hauptrolle mehr spielt. Wie ein derart bockiges Kind in Incarceron überlebt haben will, ist mir immer noch ein Rätsel. Außen jedenfalls ist er auf Claudia und ihren Mentor angewiesen, als plötzlich ein zweiter und erschreckend glaubwürdiger Giles auf den Plan tritt. Besonders gut gefallen hat mir dabei, dass selbst an der Tochter des Hüters Zweifel nagen und ihre Sicht der Dinge von keinem der Prinzen rosarot-herzförmig vernebelt wird. Sie ist und bleibt Claudia: minimal zickig, maximal resolut und mit ihrer zwischenmenschlich oft unbeholfen-schroffen Art einfach zum Gernhaben. Die Nebencharaktere bleiben allerdings arg schwarz-weiß gezeichnet. Hier haben mir die Gefangenen in Incarceron viel besser gefallen. Verrückt-sympatisch, mit Ecken und Kanten, treiben sie Spiele miteinander und dem Gefängnis, um zu bekommen, was sie wollen: Attia will Finn, Keiro will Freiheit und der selbst ernannte "Dunkle Magier" Rix mit seiner Artisten-Truppe? Das bleibt bis zuletzt genauso offen, wie die Frage, wer denn nun im entscheidenden Moment sich selbst der nächste ist und wer nicht nur über Bruderschaft redet, sondern auch Taten folgen lässt. Ich mochte die Protagonisten wirklich gerne und wäre nahezu wunschlos glücklich gewesen, wenn bei manchen diese Entwicklung mehr als nur angedeutet worden wäre.

Schwimmzüge... haben mir vor allem innerhalb Incarcerons sehr gut gefallen. Vor langer Zeit schon hat Sapphique im Gefängnis die Sehnsucht nach Außerhalb geweckt und inzwischen will der Wächter selbst um jeden Preis seinen Mauern entkommen. Damit haben Keiro und Attia, sein "Bruder" in Vertretung für Finn, auf ihrer Flucht einen schier übermächtigen Gegenspieler. Aber noch sind die Incarceron einen entscheidenden Schritt voraus und Ihre Reise führt die beiden durch die verschiedensten Gefängnisflügel bis direkt in Incarcerons Herz und vor die Entscheidung zwischen Freiheit und dem Wohl aller anderen Insassen- toll gemacht, mehr kann ich dazu nicht sagen. Dagegen ödet "Außen" fast ein wenig an. Muss es denn immer gleich der Putschversuch sein? Die Intrigen um Königin, Hüter und Schattenwölfe haben auf mich den Eindruck gemacht, als wollte die Autorin unbedingt dystopisch schreiben, anstatt "nur" ein dystopisches Setting zu nutzen und der betont revolutionäre Unterton war nicht nur 0815, sondern für mich auch völlig unnötig. Zumal Frau Fisher es sich mit der Lösung des Konflikts - Stichwort Stecker - nicht sonderlich schwer gemacht hat und mich in Sachen elektrotechnischer Logik bis zum Ende nicht überzeugen konnte. Aber sei es drum, als Verknüpfung der beiden Handlungsstränge ist die Idee super.


"Außerhalb" fehlt es immer noch an Innovationen, aber Kreativität, Charaktere und Unterhaltungsfaktor "Innen" machen das dieses Mal locker wett! 
Inhalt: ♥♥♥♥ || Atmosphäre: ♥♥♥♥♥ || Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache: ♥♥♥♥♥ || Aufmachung: ♥♥♥♥♥
Lesespaß: ♥♥♥♥
13.08.2014


Donnerstag, 7. August 2014

[geQuakt] ► Neulich am Teichran­d... #18



... oder Barbie, Spock und eine Bahnfahrt, die ist lustig.



Eines meiner liebsten Spiele auf dem Campus ist das Raten von Studiengängen. Obwohl ich selbst ein Anti-Klischee bin, tippe ich bei bodenlangen Ledermänteln zugegeben nur selten auf Botaniker und in Regenbogenfarben lackierte Fingernägel passen für mich nicht zur Mathematikerin.  Es versteht sich von selbst, dass ich nur selten richtig liege. Gleiches gilt für das Genreraten bei lesenden Mitreisenden in der Bahn. Wenn ich daran denke, wie viele vermeintlich brav-solide Damen ich schon mit Fifty Shades und Schlimmerem gesehen habe, oder wie ein Großmütterchen "Das Lied von Eis und Feuer" - auf Englisch, wohlbemerkt! - ausgepackt hat, dann bin ich mit "Sag mir, was du trägst, und ich sag dir, was du liest!" inzwischen ganz vorsichtig.

Aber ab und an, da findet man die Klischee-Leser eben doch! So geschehen und gesehen neulich am Teichrand: Der Frosch, die Vierer-Sitzgruppe und zwei Zugestiegene, die mich nicht besser hätten unterhalten können.

Sie: die Barbie.
Hochhackige Schuhe (Rätselhaft, wie sie wohl die Einstiegstreppen überwunden hat.), Mini-Mini-Gürtel-Rock (Das nenne ich effektiv die Beine übereinanderschlagen!) und vom lackiert-pedikürt-was-weiß-ich-Fußnagel bis zur garantiert splissfreien Haarspitze durchgeschminkt, wie frisch aus der Waschanlage.
Morgens halb neun in Deutschland und vor mir saß der Traum meiner Puppen-Kindheit in Lebensgröße!

Ihr Buch: "Geheimes Verlangen" von E.L. James.
Lust&Liebe. Ohne Worte.

Er: der Spock.
Schwarzer Leder(Lack?)mantel, (Man(n) sollte bei gefühlten 45°C definitiv keine Erkältung riskieren!), High-Tech-Soundanlage-Kopfhörer (Schwer beeindruckende XXL-Kaffeebecher-Größenordnung) und vom verwaschenen Print-Shirt bis zur Ansammlung von Ketten um den Hals und Ringen in den Ohren schrie einfach alles "Neee~rd".
Morgens halb neun in Deutschland und vor mir saß ein Hauch von "The Big Bang Theorie", nur ohne Spielekonsole!

Sein Buch: "Klingenfieber" von Tobias O. Meißner.
Fantasy. Ohne Worte.

Ob die beiden gemerkt haben, was für ein sympatisch schrulliger Anblick sie waren?